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Radon — geologisches Gebäuderisiko

Geschichte des Radons

Übersetzung — die französische Fassung ist massgebend.

Der unsichtbare Schadstoff, der weder sichtbar noch riechbar ist

Radon ist ein natürlich vorkommendes radioaktives Gas aus dem Untergrund. Es ist weder sichtbar noch riechbar und hinterlässt keine offensichtlichen materiellen Spuren im Gebäude. Dennoch kann es sich in Innenräumen ansammeln und zu einem bedeutenden Gesundheitsrisiko werden.

Das Thema Radon erfordert eine veränderte Betrachtungsweise. Hier sucht man kein kontaminiertes Material : Man analysiert die Beziehung zwischen einem Gebäude und seinem Untergrund, zwischen seinen konstruktiven Schwächen und der Art, wie Luft zirkuliert, stagniert oder erneuert wird.

Le fait qui frappe

Le radon est un risque du bâti sans être un matériau du bâti : il vient du sol, pénètre par les points faibles de l'enveloppe basse et s'accumule dans les locaux mal ventilés.

Deuxième cause de cancer du poumon après le tabac, le radon transforme la lecture d'un bâtiment en sujet de mesure, de zonage et de décision technique.

Pourquoi ça compte encore dans le bâti
  • Caves, sous-sols, rez inférieurs et locaux partiellement enterrés
  • Fissures, joints, passages de conduites et interfaces radier-murs
  • Mesure, ventilation, étanchéité et assainissement en zones à risque
300 Bq/m³
Schweizer Referenzwert
Referenzwert für Wohn- und Aufenthaltsräume gemäss ORaP (2018).
2. Ursache
Gesundheitliche Auswirkung
Radon ist die zweithäufigste Ursache für Lungenkrebs nach dem Tabak.
200–300 Todesfälle/Jahr
Schweiz
Grössenordnung der jährlichen Sterblichkeit, die dem Radon in der Schweiz zugeschrieben wird (OFSP).
Alle Baujahre
Betroffene Gebäude
Im Gegensatz zu Asbest oder Blei hängt Radon nicht vom Baujahr ab. Er kann auch neuere Gebäude betreffen.
Messung
Kontrollstrategie
Radon lässt sich nicht durch Sichtprüfung nachweisen. Die dosimetrische Messstrategie steht im Mittelpunkt.
×25
Kombinierter Effekt
Der kombinierte Effekt von Radon und Tabak multipliziert das Lungenkrebsrisiko um den Faktor 25 (EPA).
« Radon ist das Gegenteil eines spektakulären Schadstoffs: Je gefährlicher er ist, desto weniger wahrnehmbar ist er ohne Messtechnik. »
BatiscanDiagnosesynthese
Gesundheitsauswirkungen

Auswirkungen auf die Gesundheit

Lungenkrebs

2. Ursache nach Tabak — IARC Gruppe 1 (gesichert krebserzeugend)

Lineare Dosis-Wirkungs-Beziehung

Kein Schwellenwert, unterhalb dessen das Risiko null ist (WHO 2009)

Multiplikativer Effekt mit Tabak

Risiko ×25 für rauchende Personen mit Radonexposition (EPA)

200–300 Todesfälle/Jahr in der Schweiz

Schätzung des OFSP auf Basis der gemessenen Konzentrationen

Vom Uranbergbau zu den Wohnräumen

Vom Uranbergbau bis ins Wohnzimmer : wie Radon zu einem öffentlichen Gesundheitsproblem in Gebäuden wurde.

1898Entdeckung

Entdeckung des Radiums durch Pierre und Marie Curie

Die Entdeckung des Radiums ebnet den Weg zur Identifizierung der natürlichen Radioaktivitätsphänomene. Radium-226 ist der Vorläufer von Radon-222 durch Alpha-Zerfall.

Quelle : Pierre & Marie Curie, Comptes rendus de l'Académie des sciences, 1898

1900Entdeckung

Identifizierung des Radons als eigenständiges Element

Friedrich Ernst Dorn identifiziert die radioaktive «Emanation» des Radiums als eigenständiges radioaktives Edelgas. Es wird 1923 «Radon» benannt. Es ist das einzige natürlich vorkommende radioaktive Edelgas.

Quelle : F.E. Dorn, Abhandlungen der Naturforschenden Gesellschaft zu Halle, 1900

1920sWarnung

Die Bergwerke von Schneeberg und Joachimsthal offenbaren die Gefahr

Die Lungenkrebsfälle unter den Uranbergarbeitern von Schneeberg (Sachsen) und Joachimsthal (Böhmen) werden systematisch dokumentiert. Die Übersterblichkeit durch Lungenkrebs ist offensichtlich, doch der formale Zusammenhang mit dem Radon wird erst später hergestellt.

Quelle : Arnstein, 1913 / Rostoski et al., 1926

1950sGesundheit

Grossangelegte epidemiologische Studien an Uranbergarbeitern

Die amerikanischen, kanadischen und europäischen Atomprogramme erzeugen eine epidemiologische Nachverfolgung von Zehntausenden von Uranbergarbeitern (Colorado, Ontario, Frankreich). Radon wird formell als Lungenkarzinogen identifiziert. Die Dosis-Wirkungs-Beziehung ist linear: Je länger und intensiver die Exposition, desto höher das Risiko.

Quelle : Lundin et al., 1969 — Colorado Plateau Uranium Miners

1971Regulierung

Erste Radon-Expositionsgrenzwerte im Bergbau

Die amerikanische EPA und die Bergbaubehörden legen die ersten beruflichen Expositionsgrenzwerte für Radon in unterirdischen Bereichen fest. Das Konzept des «Working Level Month» (WLM) wird eingeführt, um die kumulative Exposition zu quantifizieren.

Quelle : EPA, Federal Mine Safety Standards

1984Warnung

Der Fall Stanley Watras — Radon verlässt die Bergwerke

Stanley Watras, Techniker im Kernkraftwerk Limerick (Pennsylvania), löst beim Betreten seiner Arbeitsstätte regelmässig die Radioaktivitätsdetektoren aus. Nach Untersuchungen stellt sich heraus, dass die Kontamination aus seinem eigenen Haus stammt: Radonkonzentrationen von 100'000 Bq/m³ — mehr als das 300-Fache des heutigen Referenzwerts. Dies ist die erste öffentliche Erkenntnis, dass Radon kein rein bergbauliches Problem ist.

Quelle : EPA, The Watras Case — Turning Point for Indoor Radon

1988Regulierung

Die IARC stuft Radon als gesichert krebserzeugend ein (Gruppe 1)

Das Internationale Krebsforschungszentrum (IARC/WHO) stuft Radon und seine Zerfallsprodukte in Gruppe 1 ein — gesichert krebserzeugend für den Menschen. Der Beweis basiert auf den Bergarbeiterdaten, doch die Übertragung auf den Wohnbereich ist im Gang.

Quelle : CIRC, Monographie Vol. 43 — Radon, 1988

1994Schweiz

Die Schweiz legt erste Grenzwerte für Wohngebäude fest

Die Schweiz etabliert einen Grenzwert von 1'000 Bq/m³ für Radon in bestehenden Wohngebäuden und von 400 Bq/m³ für Neubauten. Die ersten systematischen Messkampagnen beginnen und offenbaren erhöhte Konzentrationen im Jura, in den Voralpen und in bestimmten Alpentälern.

Quelle : Ordonnance sur la radioprotection, Suisse, 1994

2005Gesundheit

Europäische Wohnraumstudien: Nachweis im Wohnbereich

Grosse europäische Fall-Kontroll-Studien (Darby et al., BMJ 2005) belegen, dass Radon das Lungenkrebsrisiko auch in gewöhnlichen Wohngebäuden erhöht, selbst bei moderaten Konzentrationen. Das Risiko ist linear ohne Schwellenwert, und die kombinierte Wirkung von Radon und Tabak ist multiplikativ.

Quelle : Darby et al., BMJ 330:223, 2005

2009Regulierung

Die WHO empfiehlt einen Referenzwert von 100 Bq/m³

Das «Handbook on Indoor Radon» der WHO empfiehlt einen Referenzwert von 100 Bq/m³ für Wohngebäude, mit einem Maximum von 300 Bq/m³. Dieses Dokument wird zur weltweiten Referenz für nationale Radon-Präventionspolitiken.

Quelle : OMS, Handbook on Indoor Radon: A Public Health Perspective, 2009

2013Regulierung

Euratom-Richtlinie: obligatorische Radon-Aktionspläne

Die Richtlinie 2013/59/Euratom verpflichtet die Mitgliedstaaten, einen nationalen Radon-Aktionsplan zu erstellen, mit Risikozonenkartierung, Messprogrammen und Referenzwerten. Die Schweiz, kein EU-Mitglied, orientiert sich daran, um ihren eigenen Rahmen zu überarbeiten.

Quelle : Directive 2013/59/Euratom, Conseil de l'Union européenne

2018Schweiz

ORaP: Die Schweiz senkt den Referenzwert auf 300 Bq/m³

Das Inkrafttreten der neuen Strahlenschutzverordnung (ORaP) senkt den Referenzwert von 1'000 auf 300 Bq/m³ für Wohn- und Aufenthaltsräume. Oberhalb dieses Schwellenwerts können Sanierungsmassnahmen von der zuständigen Behörde angeordnet werden. Für Neubauten kann der Kanton in Risikogebieten Schutzmassnahmen vorschreiben.

Quelle : ORaP (RS 814.501), art. 164-167, entrée en vigueur 1er janvier 2018

2020sSchweiz

Radon wird Teil der laufenden Gebäudebewertung

Das Thema ist nicht mehr nur Strahlenschutzfachleuten vorbehalten. Es wird zu einem Diagnoseparameter für Gebäude mit Erdkontakt, insbesondere in Risikogebieten. Messungen nehmen in Schulen, Kinderkrippen, öffentlichen Gebäuden und Wohnungen zu.

2020Schweiz

OFSP-Bilanz: rund 150'000 gemessene Gebäude

Der jährliche Strahlenschutzbericht des OFSP gibt an, dass bis zum Bilanzjahr 2020 rund 150'000 Gebäude in der Schweiz auf Radon gemessen wurden. Die Radonkarte wird regelmässig mit diesen Daten aktualisiert.

Quelle : OFSP, Rapport annuel radioprotection 2020

2025Warnung

Messung wird zur Entscheidungsgrundlage

In der Praxis lautet die relevante Frage nicht mehr «Gibt es Radon?», sondern «Muss dieses Gebäude gemessen werden, wie, wo und wann?». Radon wird zu einem Entscheidungshilfsmittel für Planer, Verwaltungen und Gemeinden.

Im Gebäude

Wie Radon in Gebäude eindringt

Radon ist kein dem Gebäude hinzugefügtes Material. Es ist ein Gas aus dem Boden, das durch Schwachstellen der unteren Gebäudehülle eindringt. Das Gebäude wirkt als Verstärker.

Risse in Bodenplatten und Fundamentplatten

Schwindrisse, Betonierungsfugen und Platte-Wand-Fugen — bevorzugte Gasdurchtrittspfade.

Boden-Wand-Fugen

Die Verbindung zwischen der Bodenplatte und den Fundamentwänden ist selten vollständig luftdicht.

Leitungs- und Installationsdurchführungen

Jede Durchführung einer Leitung, eines Kabels oder einer Hülse durch die Bodenplatte schafft einen Eintrittspunkt.

Kriechkeller (Vide sanitaire)

Nicht belüfteter Zwischenraum zwischen Terrain und erster Decke — natürliches Anreicherungsreservoir für Radon.

Keller und Untergeschosse

Unterirdische Räume in direktem Erdkontakt. Maximale Konzentration auf den untersten Ebenen.

Leitungsschächte und Tiefpunkte

Steigschächte, Liftschächte und Installationsschächte erzeugen einen Kamineffekt, der Radon in die oberen Stockwerke zieht.

Teilweise eingeerdete Räume

Tiefparterre, halbunterirdische Garagen und Räume mit teilweisem Erdkontakt.

Belüftungsmängel

Fehlende Absaugung in Untergeschossen und der durch die Heizung erzeugte Unterdruck saugen Radon aus dem Boden an.

Entscheidungshilfe

Was das auf einer Baustelle ändert

Radon wird nicht wie ein Klebstoff, eine Dichtung oder eine kontaminierte Platte behandelt. Es wird nicht aus einem Trägermaterial entnommen : Es wird in einem in Betrieb befindlichen Gebäude gemessen, mit seinen Bodenkontakten, seinen Dichtungsmängeln und der tatsächlichen Lüftung.

Für Batiscan ist das Thema Radon daher eine Entscheidungshilfe. Muss gemessen werden ? In welchen Räumen ? Über welchen Zeitraum ? Handelt es sich um einen einfachen Zweifel, eine gesetzliche Überprüfung, ein Gebäude in einer Risikozone oder ein Bauwerk, dessen untere Ebenen offensichtliche Eintrittswege aufweisen ?

Radon-Karte

Risikozonen in der Schweiz

HOCH

Jura und Voralpen

Karstböden und zerklüfteter Kalkstein begünstigen die Radaonmigration an die Oberfläche.

HOCH

Alpen (VS, TI, GR)

Granit- und Gneisgesteine mit hohem natürlichem Urangehalt.

VARIABEL

Schweizer Mittelland

Risiko je nach lokaler Geologie variabel. Punktuelle Zonen mit erhöhten Konzentrationen.

VARIABEL

Genferseegebiet

Abhängig vom lokalen Untergrund. Bestimmte Gemeinden am Jurafuss liegen in Risikogebieten.

Schweizer Kontext

Vorschriften und Sanierung (RRV)

In der Schweiz ist Radon sowohl ein territoriales als auch ein bautechnisches Thema. Die Geologie ist relevant, reicht aber nicht aus. Zwei benachbarte Gebäude können sehr unterschiedliche Situationen aufweisen, je nach Bodenplatte, Rissen, technischen Durchführungen, Lüftung und Nutzungsgrad.

Das Thema nimmt eine sehr konkrete Form an : BAG-Kartierung, Referenzwert von 300 Bq/m³, bewohnte Gebäude, Aufenthaltsräume, Keller, untere Etagen, Schulen, Wohnungen, öffentliche Gebäude und gezielte Sanierungsmassnahmen.

Referenzwert : 300 Bq/m³ (RRV 2018)

Der Referenzwert ist auf 300 Bq/m³ für Wohn- und Aufenthaltsraume festgesetzt (vormals 1’000 Bq/m³). Wird dieser Wert überschritten, kann die zuständige Behörde Sanierungsmassnahmen verlangen.

Neubauten in Risikozonen

Der Kanton kann Schutzmassnahmen gegen Radon (Dichtungsmembran, Unterkellerungsventilation) für Neubauten in identifizierten Risikozonen verlangen.

Arbeitsplätze und sensible Einrichtungen

Radonmessungen können in Schulen, Kindergärten und radonexponierten Arbeitsplätzen verlangt werden. Der Kanton legt die konkreten Pflichten je nach lokaler Situation fest.

Dosimetrische Messung

Die Messung erfolgt durch passive Dosimetrie über mindestens 3 Monate (Heizsaison, Oktober–März). Die Dosimeter werden vom BAG oder akkreditierten Laboratorien bereitgestellt.

Sanierung

Techniken : Unterkellerungsventilation, mechanische Absaugung unter der Bodenplatte (Radonbrunnen), Abdichten der Platte und Durchführungen, Gebäudeuberöruck. Die Wahl hängt von der gemessenen Konzentration und der Gebäudekonfiguration ab.

« Bei Radon lautet die Frage nicht nur «Was enthält das Gebäude?», sondern «Wie atmet das Gebäude im Kontakt mit dem Untergrund?». »
BatiscanBausynthese

Quellen und Referenzen

OFSP — Radon

Offizielle Seite des Bundesamts für Gesundheit (BAG) zum Thema Radon in der Schweiz.

Radonkarte Schweiz — OFSP

Interaktive Karte der Radonmessungen nach Gemeinde (150'000+ Messungen).

WHO — Handbook on Indoor Radon (2009)

Weltweite Referenz für Radon-Präventionspolitiken im Wohnbereich.

IARC — Monographie Vol. 43 & 78: Radon

Einstufung von Radon in Gruppe 1 — gesichert krebserzeugend für den Menschen.

ORaP — Strahlenschutzverordnung (SR 814.501)

Schweizerische Rechtsgrundlage: Referenzwert 300 Bq/m³, Mess- und Sanierungspflichten.

Darby et al. — BMJ 2005

Europäische Studie zum Nachweis des Lungenkrebsrisikos durch Radon in Wohngebäuden.

EPA — A Citizen's Guide to Radon

Amerikanischer Referenzleitfaden zu Radon in Wohngebäuden.

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